MARWENCOL – DAS DORF DER PUPPEN

20. Januar 2012 um 20:36 Uhr


Das sind drei Frauen, die offenbar nichts Gutes im Schilde führen, oder vielleicht doch?
Subtile und verstörende “Puppenspiele” wie diese kreiert Mark Hogancamp – das ist seine Art, ein traumatisches Erlebnis zu verarbeiten. Am 8. April 2000 wurde der Amerikaner vor einer Bar von fünf Männern fast totgeschlagen, nachdem er ihnen im Suff erzählt hatte, dass er gern Frauenkleider trage. Er erlitt schwere Kopfverletzungen, und als er nach neun Tagen aus dem Koma erwachte, hatte er einen großen Teil seines Gedächtnisses verloren. Mit achtunddreißig Jahren musste er wieder lernen zu essen, zu laufen und zu denken.
Nachdem Mark aus dem Krankenhaus entlassen wurde, begann er in seinem kleinen Garten ein fiktives belgisches Dorf zur Zeit des Zweiten Weltkrieges aufzubauen, im Maßstab 1:6. Er nannte den Ort MARWENCOL und bevölkerte ihn mit Puppen, für die seine Familie und seine Freunde Pate standen. Er inszenierte die Figuren in meist verstörenden Szenen, die er danach fotografierte. Ein New Yorker Galerist entdeckte die Fotos, und aus Marks selbsttherapeutischem Spiel wurde Kunst.
Ein preisgekrönter Dokumentarfilm erzählt die Geschichte von Mark Hogancamp, vielleicht ist er ja irgendwann auch hier zu sehen.

Weiterführende Lektüre:
Webseite von Mark Hogancamp und MARWENCOL
Englische Wikipedia über MARWENCOL
Artikel in der New York Times

Kategorie Film Kunst

SCHÖNER VERKEHR

14. Dezember 2011 um 10:59 Uhr


Das sind Verkehrsteilnehmer in Ho-Chi-Minh-Stadt. Der britische Fotograf Rob Whitworth war so beeindruckt von dem Gewusel, dass er einen Timelapse-Film gemacht hat. Und plötzlich wird aus dem scheinbaren Chaos eine großartige Choreographie…

(via Interfilm)

Kategorie Film

GESUNDE INFEKTIONEN – VIRAL VIDEO AWARD

18. November 2011 um 22:00 Uhr


Das ist ein öffentliches Klo mit typischer, mehr oder weniger kunstvoller Kriegsbemalung. Diese fröhliche Nasszelle bildet die Kulisse für einen Animationsfilm, der beim gerade in Berlin zu Ende gegangenen Wettbewerb um den Viral Video Award 2011 den Hauptpreis gewonnen hat – lustig-frivole Kondomwerbung mit aufklärerischer Wirkung ohne Zeigefinger und mit einem orgiastisch-glücklichen Ende.

Den Preis für das beste politische Viral bekam Amnesty International für das Video “Standing up for Freedom”, das mittels beeindruckend animierter Streetart eine verstörende und berührende Geschichte erzählt.

Und der Publikumspreis beim Online-Voting ging an die Filmemacher des Anti-VW-Spots für Greenpeace:

Weiterführende Lektüre und alle anderen nominierten Videos gibt es hier, und der schöne Trailer zum Internationalen Kurzfilmfestival INTERFILM ist hier.

Kategorie Animation Film

AUS GOTTES PERSPEKTIVE

10. November 2011 um 13:53 Uhr


Das ist eine Szene aus dem Film “Eternal Sunshine of the Spotless Mind” von Michel Gondry. Die Einstellung wurde aus der so genannten Top Shot-Perspektive gefilmt, genau 90° über dem Geschehen – also gewissermaßen aus “God’s Eye View”. Im Video für den Song “Down Boy” der YEAH YEAH YEAHS gibt es jede Menge solcher Einstellungen aus vielen bekannten Filmen. Viel Spaß beim Raten…

Weiterreichende Lektüre:
Wer nicht raten will kann hier schmulen.

Kategorie Film Musik

SCHÖN SCHWARZ-WEISS: FRENCH MOVIE

29. Oktober 2011 um 11:54 Uhr


Das ist David Lehman, ein amerikanischer Dichter aus New York. Er erzählt den Plot eines typischen Film noir in zwei Minuten. Aus diesem Text hat der Filmemacher Scott Wenner einen Kurzfilm gemacht hat. French Movie.

Weiterführende Lektüre:
“French Movie” in der Textversion zum Mitlesen
The Best American Poetry

Kategorie Film Literatur

PARALLELUNIVERSUM

7. August 2011 um 13:08 Uhr


Das ist ein geteilter Himmel – links Paris, rechts New York. Der britische Filmemacher J.W. Griffiths war in beiden Städten, hat mit seiner Handy-Kamera identische Aufnahmen gemacht und diese zu seinem Kurzfilm “Splitscreen: A Love Story” montiert.

Making Of

Kategorie Film Kunst

QUALLENSTUDIUM

11. Juli 2011 um 09:23 Uhr


Diese bizarre Kreatur ist eine Portugiesische Galeere (Physalia physalis). Ihren Namen verdankt sie der segelförmigen, bläulich schimmernden Gasblase, die für den Antrieb des Tieres auf offenem Meer sorgt.
Das quallenartige Wesen nennt lange, lockige Tentakel ihr eigen, deren Gift sie zu den gefährlichsten Tieren der Welt macht.
Gefährlich und schön, dachten sich die Leute von Morphologic und machten aus dem Leben dieses Wesens ein “künstlerisches” Video.

Und jetzt noch eine andere Art des Studiums fremder Kulturen durch den Filmemacher, Comedian und Musiker Julian Smith, über den ich hier auch schon mal was reingeklebt habe. DAS ist Kunst.

Weiterführender Hinweis:
Nach eingehendem Studium der beiden Filme kann man die auch gleichzeitig gucken. Macht Spaß.

Kategorie Film Kunst

JEDER NUR EIN KREUZ!

22. Juni 2011 um 08:35 Uhr


Das ist Brian Cohen – ein rechtschaffener Jude, der vor ungefähr zweitausend Jahren aus Versehen mit dem Messias verwechselt wurde. So erzählt es jedenfalls Monty Python’s “Das Leben des Brian”.
Mit dem Film erntete die englische Komikertruppe 1979 nicht nur die Begeisterung ihrer Fans, sondern auch den Ärger der Kirche, die die Engländer der Blasphemie zeihte; in einigen Ländern wurde der Film sogar verboten.
Die BBC plant nun einen Spielfilm, der die Begleitumstände des Films und die Folgen erzählt und durch den man sowohl sehr viel über die Natur der Zensur als auch über die Welt von Monty Python lerne.
Die Rollen der Pythons werden von anderen Schauspielern und Comedians übernommen und er soll auch animierte Sequenzen und Puppenspiel enthalten. Im Herbst läuft “Holy Flying Circus” in der BBC.
Hier ein lustiger Ausschnitt aus dem Original:

Kurz nach der Premiere 1979 diskutierten John Cleese und Michael Palin in einer Talkshow mit dem katholischen Journalisten Malcolm Muggeridge und dem Bischof von Southwark, Mervyn Stockwood über den Film, zum Beispiel so:

Weiterführende Informationen:
Infos der BBC
YouTube-Kanal von Monty Python

Kategorie Fernsehen Film

BRENNEN, BRENNEN, BRENNEN

8. Juni 2011 um 08:43 Uhr


Das ist Jack Kerouac. Er sagte: “Die einzigen Menschen, die mich interessieren, sind die Verrückten, die verrückt leben, verrückt reden und alles auf einmal wollen, die nie gähnen oder Phrasen dreschen, sondern wie römische Lichter die ganze Nacht lang brennen, brennen, brennen.”
Genau darum geht es auch in seinem Roman “On The Road” (1957), mit dem er uns ein Buch geschenkt hat, das inzwischen ganze Generationen zum Kult erklärt haben und das ihn neben Allen Ginsberg und William S. Burroughs zu den wichtigsten Stimmen der Beat Generation machte.
Die Legende besagt, Kerouac habe das Manuskript im Jahr 1951 unter Kaffee- und Drogeneinfluss in nur drei Wochen auf eine Papierrolle getippt.

Bereits 1979 hatte Francis Ford Coppola die Filmrechte gekauft und suchte viele Jahre nach einem passenden Regisseur, um den Film zu produzieren. Jetzt scheint er ihn mit Walter Salles gefunden zu haben. Mit ihm hatte er vor einigen Jahren bereits “Motorcycle Diaries – Die Reisen des Jungen Che” gemacht.
Wann die Verfilmung mit Sam Riley, Garret Hedlund, Steve Buscemi, Kirsten Dunst u.a. allerdings ins Kino kommt, ist noch nicht klar. Offenbar drehen sie noch. Hoffentlich.

Und hier liest Jack Kerouac die letzte Passage seines Buches:

Weiterführende Literatur:
“On The Road” bei Wikipedia
New York Times über die Verfilmung

Kategorie Film Literatur

DER BEATNIK UND DER BEASTIE BOY

5. Februar 2011 um 11:35 Uhr


Das ist William S. Burroughs. Er wäre heute 93 geworden.
Mit Allen Ginsberg und Jack Kerouac begründete er in den 50er Jahren die Beat Generation – eine literarische Strömung, deren Werke (wie “Naked Lunch”, “On The Road” oder “Howl”) noch heute als Bibeln der Anarchie und des Nonkonformismus gelten. Zeit seines Lebens kämpfte Burroughs gegen seine Drogensucht, verdaute Schicksalsschläge, wie den Tod seiner Frau, die er im Suff versehentlich erschoss. Sein Roman “Naked Lunch”, später von David Cronenberg verfilmt, war eines der letzten Bücher, das in den USA indiziert wurde.
Beastie Boy Adam “MCA” Yauch, der mit seiner Firma Oscilloscope Laboratories auch erfolgreich Filme produziert und vertreibt, hat nun die preisgekrönte Dokumentation “William S. Burroughs: A Man Within” auf DVD veröffentlicht. Darin erzählen unter anderem John Waters, Patti Smith, Iggy Pop, Gus Van Sant, Thurston Moore (Sonic Youth), Laurie Anderson, Jello Biafra und David Cronenberg über ihren Helden. Leider ist die DVD bis jetzt nur in Amerika erschienen.
Hier ist der Trailer:

Weiterführende Lektüre:
Filmseite
William S. Burroughs/Jack Kerouac “Und die Nilpferde kochten in ihren Becken”

Kategorie Film Literatur